Schwerpunkte
15.12.2017 (Alter: 34 Tage )

‘Der Kontrabass’ von Patrick Süskind im Atelier aufgeführt

Innerhalb der vom Deutschlehrer Steffen Bock organisierten Reihe ‘Literatur im Atelier’ (LiA) wurde Anfang Dezember das Ein-Personen-Stück ‘Der Kontrabass’ von Patrick Süskind zweimal aufgeführt.

 

Das Atelier der Schule, primär genutzt für den praxisorientierten Kunstunterricht, wurde durch die Technik-AG der Schule unter der Leitung des Q2-Schülers Sven Reifschläger in ein Studio-Theater mit Bühne und entsprechender Beleuchtung für ca. 100  Zuschauer umgebaut.

Der in Minden bekannte Schauspieler Gregor Eckert verkörperte den notorisch mit sich und seiner Umwelt unzufriedenen Kontrabassisten eines Staatsorchesters in genialer Weise und verstand es, die Schülerinnen und Schüler der Q1 bzw. Q2 während der Aufführungen in seinen Bann zu ziehen.

Während der Kontrabassist zu Beginn des Theaterstücks seinen Beruf und seine Lebenssituation noch vermeintlich positiv und erfolgreich darstellt, werden im weiteren Verlauf jedoch immer mehr Risse, Widersprüche und Unzulänglichkeiten deutlich, die der Protagonist nicht mehr zu kaschieren vermag: Er sitzt einsam in seiner ‘schallisolierten’ Dachgeschosswohnung und hadert zunehmend mit seinem Schicksal.

Der Kontrabass symbolisiert als Metapher u.a. seinen Beruf ohne wirkliche Anerkennung, seine Mutter, seine heimlich Angebetete oder die gesellschaftlichen Zwänge, unter denen er leidet.

Seine Ohnmacht, seine Verzeiflung betäubt er durch gesteigerten Bierkonsum, ohne dass er es schafft, seine Situation wirklich angemessen zu reflektieren und Konsequenzen zu ziehen: Die Angst vor der ‘großen’ Freiheit schreckt ihn zurück…

Am Ende zieht er  für das Abendkonzert seinen Frack an, schlüpft wieder in die Rolle des von ihm verabscheuten Kontabassisten, dem man das großspurig angekündigte ‘Coming Out’  während der Abendvorstellung allerdings nicht glauben mag…

Süskind stellt in seinem Protagonisten ein zutiefst verzweifeltes und ohnmächtiges Individuum dar, das sich aus seiner Situation kaum zu erretten vermag – und vielleicht auch nicht gerettet werden möchte…

 

Die Schülerinnen und Schüler zollten der großartigen schauspielerischen Leistung großen Beifall und nicht wenige verließen eher nachdenklich das Atelier…

Die nächste LiA-Veranstaltung ist für Mai 2018 geplant. Stefanis Neeb (ehemals Eschke und Abitur1993) wird ihr am 26.04.2018 im Fischer-Verlag erscheinendes Jugendbuch ‘Und wer rettete mich?’ vorstellen.